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Geschichte

Der Fremdenverkehr in Wilhelmsfeld

Wilhelmsfeld zeichnet sich durch ein im Gegensatz zur Rheinebene viel angenehmeres Klima aus. Wegen der Reizwirkung im Winter, der Ausgeglichenheit im Sommer und der weitgehenden Nebelfreiheit gilt das Klima als ausgesprochen gesund. Im Sommer fehlen die schwülen Hitzetage, das Frühjahr und der Herbst sind vergleichsweise mild. Der Winter bringt aufgrund der Höhenlage vor allem bei Ostwind starke Temperaturunterschiede. Ebenfalls mit der Höhenlage und begünstigt durch den Sattel am Westrand der Gemarkung hängen die häufigen und ergiebigen Niederschläge zusammen. Mit 1.178 mm Niederschlag pro Quadratmeter in den Jahren von 1973 bis 2002. Auch die Zahl der Wintertage mit Schneedecke ist im Januar und Februar vergleichsweise hoch. All diese Faktoren waren für die Dorfbewohner in früheren Zeiten eher von Nachteil, da sie sich negativ auf Landwirtschaft und Verkehr auswirkten. Erst nachdem die Landwirtschaft immer weiter an Bedeutung verloren hatte, entdeckten die Dorfbewohner die Vorteile vom Wilhelmsfelder Klima und den Reiz der Landschaft für den im 20. Jahrhundert auf kommenden Tourismus.

Als früheste und prominenteste auswärtige Gäste in Wilhelmsfeld kann man wohl den philippinischen Dichter und Nationalhelden Dr. Jose Rizal und Kaiserin Elisabeth von Österreich bezeichnen. Die eigentliche Entdeckung des Erholungswertes der Landschaft um Wilhelmsfeld, verbunden mit der gesunden Luft, begann allerdings erst im 20. Jahrhundert. Im Jahr 1911 gab es bereits 29 Fremdenbetten, die im Verlauf des Jahres an 29 Kurgäste für einen Aufenthalt zwischen 8 und 14 Tagen vermietet wurden. Dazu kamen noch insgesamt 63 Einzelübernachtungen. Von einer guten Auslastung kann man zu dieser Zeit also nicht gerade sprechen. Auf die zunehmende Bedeutung Wilhelmsfelds als Erholungsort deuten in den 1930er Jahren der Bau des Theologenheims, sowie die Errichtung eines Arbeitererholungsheimes durch die Ludwigshafener Chemiefirma Ciulini in den 1940er Jahren hin.

Den amtlichen Hinweis auf den aufkommenden Fremdenverkehr findet man im Jahr 1930. Das Bezirksamt Heidelberg machte sich damals große Sorgen um die ökonomische Entwicklung von Wilhelmsfeld und sah mangels industrieller Arbeitsplätze nur einen Ausweg: Wilhelmsfeld sehr schön gelegen könnte mit der Zeit Luftkurort werden. Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung jäh, doch konnte sich Wilhelmsfeld vor allem in den 1950er und 1960er Jahren rasch zu einer Sommerfrische beziehungsweise einem Wochenendziel für die Bevölkerung der Großstädte der Rheinebene entwickeln. Anfänglich trug die Postkraftbusverbindung wesentlich zum Aufschwung bei, später gelangten durch die zunehmende Motorisierung immer mehr Menschen mit dem eigenen Fahrzeug in den Odenwald, So stieg die Zahl der Fremdenbetten bis zum Jahr 1962 auf 266 an. Die 7 Wilhelmsfelder Gasthäuser und Pensionen sowie 42 Privatvermieter meldeten für das Jahr 1962 insgesamt 20.500 Übernachtungen.

Zur Förderung des Fremdenverkehrs hatte die Gemeinde Wilhelmsfeld bereits 1952 einen Heimat- und Verkehrsverein gegründet, der einen ersten Ortsprospekt herausgab. 1954 trat die Gemeinde dem Fremdenverkehrsverband Nordbaden bei. Der Verkehrsverein wollte Wilhelmsfeld zu einem Kurort machen und leitete 1964 entsprechende Planungen in die Wege. Den Antrag auf Anerkennung als Kurort begründete die Gemeinde folgendermaßen: In Wilhelmsfeld sei es im Durchschnitt zwei Grad kälter als in Heidelberg, verbunden damit seien weitaus geringere Schwankungen innerhalb der Wetterlagen. Folgen der klimatisch begünstigten Lage von Wilhelmsfeld seien die geringe Zahl von Hitzetagen im Hochsommer und die von föhnartiger Warmluft aus dem Südwesten verursachte Nebelfreiheit im Winterhalbjahr. Vor allem im Herbst liege Wilhelmsfeld oft oberhalb der dichten Nebeldecke der Rheinebene in der Sonne

Während die notwendigen Untersuchungen zur Anerkennung als Kurort im Gange waren, stellte die Gemeindeverwaltung bereits Überlegungen zum Bau eines Kurhauses an. So stand der Vorschlag im Raum, das gegenüber dem Rathaus gelegene alte Schulhaus in ein Kurbad umzuwandeln. Nachdem 1966 die Anerkennung als Höhenluftkurort gelungen war, nahm die Beliebtheit des Dorfes als Ausflugsziel und Sommerfrische weiter zu. Im Jahr 1967 zählte man 27.000 Übernachtungen, womit der Wilhelmsfelder Tourismus im damaligen Kreis Heidelberg den vierten Platz einnahm. Mittlerweile war ein Verkehrspavillon für die Vermittlung von Unterkünften und für die Durchführung von Werbemaßnahmen errichtet worden. An den Wochenenden nahm der vor allem aus Mannheim und Ludwigshafen hereinströmende Ausflugsverkehr zeitweise solche Ausmaße an, dass die Verkehrspolizei Beamte zur Regelung des Verkehrs abstellen musste. Es gab weiterhin Pläne zum Bau eines Kurzentrums. So dachte man daran, im Langerain ein Kurzentrum zu Planen.

Im Verlaufe der 1970er Jahre wurde das Fremdenverkehrsgeschäft für die acht Gasthäuser und Pensionen sowie die 17 Privatvermieter mit ihren insgesamt 120 Betten immer schwieriger. So gründeten die Gemeinden Wilhelmsfeld, Schönau, Altenbach, Ursenbach, Heddesbach und Heiligkreuzsteinach 1977 die Fremdenverkehrsgemeinschaft Vorderer Odenwald, um die Aktivitäten bezüglich Werbung und Vermarktung zu koordinieren. Eine weitere Chance sah der Heimat- und Verkehrsverein Ende der 1970er Jahre im Wintersport. Da Wilhelmsfeld an weitaus mehr Tagen als die Orte der Rheinebene über eine geschlossene Schneedecke verfügt, ließ man 1978 eine 10 Kilometer lange Langlaufloipe anlegen und schaffte zwei Spurgeräte an. Nach 1980 verstärkte sich der Rückgang des Fremdenverkehrs, da breite Bevölkerungskreise ihr Reiseverhalten grundlegend geändert hatten und nun vor allem Flugreisen in südliche Länder bevorzugten. So nahm die Zahl der Beherbergungsbetriebe parallel zum Rückgang der Übernachtungen rapide ab.

Auszug aus "Die Geschichte der Gemeinde Wilhelmsfeld", von Harald Gomille.

An einer eigenen Vereinschronik über den Heimat- u. Verkehrsverein Wilhelmsfeld wird in den nächsten Monaten gearbeitet.